Was heißt eigentlich „pflegebedürftig“?

Mehr als 2,5 Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig, zwei Drittel davon Frauen. Und weil unsere Gesellschaft immer älter wird, spitzt sich die Lage zu. Doch was bedeutet pflegebedürftig zu sein eigentlich?

Wikipedia beschreibt es treffend: Pflegebedürftigkeit bezeichnet einen Zustand, in dem eine kranke oder behinderte Person ihren Alltag dauerhaft nicht selbständig bewältigen kann und deshalb auf Pflege oder Hilfe durch andere angewiesen ist. Die genaue Definition findet man im Sozialgesetzbuch. Pflegebedürftig sind nach § 14 Abs. 1 SGB XI bzw. § 61 SGB XII Personen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung für die gewöhnlichen und regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens auf Dauer, voraussichtlich für mindestens sechs Monate, in erheblichem oder höherem Maße der Hilfe bedürfen.

Je nachdem, wie groß der Pflegebedarf ist, wird man in eine von vier Pflegestufen (0, I, II oder III) eingestuft.

 

Doch was ist eigentlich zu tun, wenn ich merke, dass ich meinen Alltag nicht mehr allein bewältigen kann?

Pflegefall

 10-Punkte-Fahrplan für schnelle Hilfe im Pflegefall

  • Stellen Sie einen Antrag bei der Pflegekasse. Das kann formlos geschehen. Für gesetzlich und privat Versicherte heißt das gleichermaßen: ein Anruf bei der Pflegeabteilung Ihrer Krankenkasse bzw. privaten Krankenversicherung genügt. Diesen Antrag kann auch eine bevollmächtigte Person übernehmen (s. auch unser Beitrag zum Thema „Vorsorgevollmacht“ )
  • Die Pflegepflichtversicherung in Deutschland deckt nicht alle Kosten der Pflege ab – sie ist eher als Teilkasko-Versicherung zu verstehen. Der Eigenanteil, der zu tragen ist, kann Ihre finanzielle Situation enorm strapazieren. Wenn Sie nicht schon frühzeitig eine private Pflege-Zusatzversicherung abgeschlossen haben, sollten Sie spätestens jetzt über den Abschluss der staatlich geförderten Pflege-Zusatzversicherung (Pflege-BAHR) eine Entscheidung treffen. Werden erst einmal Pflegeleistungen bezogen, ist der Antrag also bewilligt, ist eine Aufnahme in diese Tarife nicht mehr möglich!
  • Sofern Sie die Situation schon selbst einschätzen können, teilen Sie der Pflegekasse bei Antragstellung schon mit, ob Sie gern zu Hause oder in einer stationären Einrichtung, einem Pflegeheim, gepflegt werden wollen.
  • Verzichten Sie nicht auf Ihren gesetzlich verankerten Anspruch auf individuelle Pflegeberatung. Die Pflegekasse muss Ihnen auf Antrag innerhalb von zwei Wochen einen Beratungstermin – auf Wunsch auch zuhause – anbieten oder stellt einen Gutschein aus, den Sie bei neutralen und unabhängigen Beratungsstellen einlösen können.
  • Auf den Antrag bei der Pflegekasse folgt die Begutachtung, die üblicherweise bei Kassenpatienten durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder andere unabhängige Gutachter zuhause durchgeführt wird. Der medizinische Dienst der privaten Kranken- und Pflegeversicherer heißt Medicproof.
  • Als Vorbereitung für die Begutachtung kann ein Pflegetagebuch helfen. Es gibt Auskunft darüber, bei welchen alltäglichen Verrichtungen in welchem Umfange geholfen werden muss und wieviel Zeit dafür benötigt wird.
  • Es ist sinnvoll, dass die Pflegeperson bei der Begutachtung auch anwesend ist.
  • Ist eine Pflege zuhause nicht möglich oder gewünscht, berät Sie die Pflegekasse über geeignete Pflegeheime.
  • Lassen Sie sich von Ihrer Pflegekasse oder dem Pflegestützpunkt in Ihrer Nähe eine Liste der zugelassenen ambulanten Pflegedienste und auch Pflegeheime geben, damit Sie Kosten vergleichen können.
  • Lassen Sie sich über Angebote zur Entlastung bei der Versorgung beraten und informieren Sie sich umfassend.

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